Bluewater, Woodlands und Delikatessen…

Das ist doch wieder ein wunderbar rätselhafter Titel :)

Ich bin auf dem Weg nach Deutschland, und deshalb gestern von Tioman nach Singapore gefahren. Und das ging schon mal gut los, bzw. eben nicht. Die Fähre (Firma Bluewater, alle, auch wenn bei manchen noch Bistari oder Gemilang draufsteht) sollte um 9 Uhr morgens gehen, der wöchentliche Fahrplan zeigt jedoch die Zeiten Tekek-Mersing an, also stellt man sich in ABC (unsere Bucht) eine halbe Stunde früher an die Jetty. Wie so oft kamen viele Leute, aber keine Ferry… Sonntag übrigens, wo doch jedem klar sein müsste, dass viele Leute zurück aufs Festland oder nach Singapore wollen, weil sie Montag wieder arbeiten müssen. Es waren auch nur zwei Boote für den ganzen Sonntag geplant. Irgendwann weit nach 9 kam dann eine, aber eine der kleineren. Um die Leute noch mehr zu ärgern, sind die Jungs darauf verfallen, dass man sich in die Passagierliste eintragen muss, bevor man das Boot entern darf. Da standen nun 100 Leute in der prallen Sonne und haben geflucht – noch viel mehr geflucht, als das Schiff dann komplett voll war, aber leider nicht alle mitkamen. Es hiess, ein zweites würde hinterhergeschickt.

Prima Organisation, Bluewater! Erinnert mich an irgendwas, „Blue“ im Firmennamen scheint ein schlechtes Omen zu sein, für eine Company, ich denke unwillkürlich an Blue Bite. Blue für blau oder traurig. Wenn die Mitarbeiter ständig blau machen, oder gar sind, gibt die Firma ein trauriges Bild ab, oder so ähnlich. Nun gut, im Falle von Bluewater hoffe ich, dass es eine wöchentliche Wartung gibt, und was das Nachbessern der Bugs angeht, in den Falle steht meistens noch irgendwo eine weitere Ferry rum, es kam eine Weile später eine von der Marina in Tekek herübergetuckert, der selbe Zirkus nochmal, mit der Liste, in die man sich eintagen muss, ich hab geschwitzt wie nochwas, und schliesslich hab ich einem der Jungs meinen Koffer zugeschoben, von wegen hilf mir mal bitte, und bin einfach eingestiegen. Falls die diese Listen jemals gegenlesen, bin ich also zumindest für Bluewater immer noch auf der Insel. Aber ich geh mal davon aus, dass das nie jemand macht. Ausserdem ist die Logik etwas befremdlich, wenn das Schiff mit Mann und Maus untergehen sollte, ist die Liste ja auch weg. Oder haben die ein Faxgerät dabei? Interessante Frage.

Nachdem wir wieder komplett voll waren, gings endlich los, warum sie in Tekek nochmal gehalten haben, weiss der Geier, vielleicht Kaffee fassen für die Crew, dann auch noch ein Stop in Payar, um noch zwei Leute aufzunehmen, die aber keinen Sitzplatz mehr bekamen, dafür aber die Erlaubnis an Deck zu sitzen, das nenn ich mal eine Kompensation. Die Wellen waren ziemlich gut, nach der heftigen Abschiedsparty und nur 4 Std Schlaf ist mir zum ersten mal auch ein bisschen komisch im Magen geworden. Nachdem aber nichts drin war, ausser kaltem Kaffee, gings einigermassen.

Als wir in Mersing ankamen, wars 12 Uhr mittag und der Bus natürlich weg, besser noch, der nächste war ausgebucht. Bis 17:00 warten? Ich hab erst mal Roti Canai zum Mitnehmen gekauft (indische Pfannkuchen) und hab einen Versuch unternommen, noch an ein Ticket zu kommen, bin zum Busbahnhof gelaufen und hab dort gefragt, die gleiche Situation. Da gabs den ersten freien Platz um 17:30. Mahlzeit.

Aber ich wollte ja sowieso noch paar Sachen einkaufen, bin zum Kini und zum 1-Malaysia Shop, hab mich eingedeckt mit Tigerbalm und hab ne Flasche von dem leckeren Sirup gekauft, um die Eltern zu beglücken.

Nach ner Stunde war das aber auch alles erledigt, und ein Eis gegessen, und noch ein paar billige Turnschuhe mitgenommen. Also wollte ich mir eine Zeitschrift kaufen, aber siehe da, an dem Busbahnhof mit den dreckigsten Toiletten Malaysias gibts sogar einen kleinen Bookshop. Und ich hab ein ganz tolles Taschenbuch gefunden, Story klingt ähnlich wie „Tanah Mera“, der Roman der mir so gut gefallen hat, über Kolonialzeit Malaya und Singapore, kurz vor, während und nach dem 2.  Weltkrieg. Dieses heisst: „The White Perl“ und ist von einer Kate Furnivall, noch nie gehört, aber wie immer, das Titelbild und der Klappentext haben mich angesprungen, also muss es einfach gut sein. Damit gings mir dann gleich bedeutend besser.

Ich konnte irgendwann trotzdem nicht mehr sitzen, hab mir noch von nem Stand ein paar Banana-Fritters geholt, das sind leckere in Teighülle fritierte Bananen, bin bisschen rumspaziert, und irgendwann wars dann endlich soweit. Der Bus ist nach Johor Baru bzw. Busbahnhof Larkin geschaukelt, schaukel schaukel, durch die endlosen Plantagen, neben mir so ein unangenehmer local Typ mit Sonnenbrille, der hat aus dem Mund gestunken wie ein toter Fisch, oi, mir ist schon wieder fast schlecht geworden. Gottseidank hat er sich die Jacke übers Gesicht gezogen und gepennt. Nach JB sind es ungefähr 180 km von Mersing aus und das dauert je nach Verkehrsbedingungen so um die zwei Stunden, also war es natürlich stockdunkel, als wir da ankamen, in der Stadt das totale Verkehrschaos.

Ich hatte schon beschlossen diesmal ein Taxi zu nehmen, da ich ja nicht nur Laptop und Rucksack dabei hatte, diesmal, sondern auch den Koffer, und die Causeway-Busse sind total beengt und haben keinen Gepäckraum, wäre ja auch viel zu umständlich, man muss ja alles mitrausnehmen bei den zwei Grenzstationen. Aber: kein Taxi von Larkin aus, Strassen verstopft, ich müsste erst in die Innenstadt, dort vielleicht. Ja wie? Zu Fuss oder was? Lach mich weg. Also nehmen wir eben wie üblich den Bus, ist auch 25x billiger, nur so als Trost. Aber schon irgendwie witzig, letztes Mal wollten sie mir mit Vehemenz ein Taxi nach Mersing aufdrängen, undwenn ich dann mal freiwillig eins nemen würde, gibts keins. TIA – This is Asia ;)

Nun kommen wir zu den Woodlands, so heisst nämlich dieser Grenzübergang. Also eins weiss ich ganz genau, ich werde nie, nie, nie wieder an einem Sonntag oder Feiertag oder kurz vor den Ferien diese Grenze überqueren. Wie schon letztens auf dem Rückweg von Sing nach Tio, das war kurz vor Ramadan, womöglich auch noch Freitag, standen tausende von Menschen – und ich meine das buchstäblich – in langen Schlangen vor den 20 Schaltern. Diese einzelnen Menschenströme laufen dann hinter den Schaltern wieder zu einer Masse zusammen, die sich auf dem langen Weg zu Rolltreppe und Lift etwas ausdünnt, aber vor Staudämmen, vor den Bus-Plattformen, geradezu beängstigend zusammendrängt, und dann wieder zu einzelnen Schlangen wird, die durch Schranken in enge aber geordnete Bahnen gelenkt werden. Aber meine Güte ist das anstrengend, mit drei Gepäckstücken und das ganze zwei mal hintereinander. Im Schieben und Drängeln stehen die Singapurer den Malaysiern in nichts nach, da haben die Engländer sich nicht durchsetzen können, mit ihren gepflegten Manieren beim Schlange stehen ;)

Irgendwie schafft man es dann ja doch, das alles hinter sich zu bringen, ich hatte zum ersten Mal und Gottseidank das Superb angemailt und mir eine Zelle reservieren lassen, es war sage und schreibe 22:00 Uhr als ich endlich eingecheckt war. Von Haustür zu Haustür gerechnet 14 Stunden, für eine Strecke von knapp 200km Luftlinie. Das ist glaub ich Rekord bisher.

Zu den Delikatessen: nachdem es schon so spät am abend war, hab ich mein Gepäck in die Zelle geschmissen, und bin im Eilschritt zum Cold Storage im Bugis gestürmt, Foodstalls, Läden, alles war schon am aufräumen und zumachen. CS Supermarkt war noch offen, ein Mitarbeiter stand beim Eingang, ich hab ihn gefragt, wie lange denn noch geöffnet wäre, sagt er, ach, ne halbe Stunde hast du noch! Soll ich dir zeigen, wo alles ist? Das ist doch der Hammer! Mon – Sun : 9.00am – 11.00pm offen, und um halb elf Uhr nachts, an einem Sonntag, bietet der dir noch ne Führung durch den Laden an… Ich weiss schon, warum ich in Asien lebe! Ich hab mich ganz herzlich bedankt, hab gesagt, ich kenn mich aus, und bin durch die Gänge geflitzt: Rotwein, Käse, Nüsse… danach stand mir der Sinn. Und wenn ich in Singapore bin, gönn ich mir solche Extravaganzen auch mal, also ne Flasche Cabernet Sauvingnon, ein Brocken extra alten Cheddar und eine Tüte gerösteter Cashewnüsse, und was das gekostet hat, rechne ich auf gegen das was ein Restaurant- oder Barbesuch gekostet hätte. Und der Wein war supergut, die Nüsse perfekt und der Käse ein Traum, das wars wert, nach dem ganzen Zirkus ;)

So jetzt mach ich noch ne „Nachtwanderung“ zur Marina Bay, um mir die Wunderbäume mal mit Beleuchtung anzusehen.

Guckste Google „Gardens by the Bay“ und staunste! Hier zum Beispiel ein wunderbarer Photostream auf Flickr: Singapore, Gardens by the Bay
Und das hier ist sehr interessant:

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