Gute Nacht Langkawi, oder: ein Paradies wird vernichtet (1)

So, und nun muss ich leider einige Leute ihrer Illusionen berauben, was die so genannte Trauminsel Langkawi betrifft.

Der Entschluß, nach Langkawi zu gehen, hatte im Prinzip drei Gründe: erstens, die erneut aufgeflammte Wurzelentzündung meines im letzten Jahr bereits behandelten Zahns – erlesene Schmerzen kann ich euch versichern – und der Zahnarzt sitzt nun mal auf Penang. Zweitens diverse Probleme beim letzten Grenzübergang von Singapore aus, das ganz große Blabla, da dachte ich, es wäre vielleicht nicht ungeschickt, mal wieder nach Thailand auszureisen, und drittens war die Regenzeit im Anmarsch. Langkawi liegt nördlich von Penang, hat also wie Tioman eine geniale Grenzlage. Das bedeutet zum einen Duty-Free Status, zum anderen eine relativ kurze Strecke für  den nächsten Visa-Run.

In Penang war ich nur zwei Nächte lang, dann gings, wie bereits erwähnt erst mal nach Hat Yai und von dort aus dann über Satun nach Langkawi. Kurzer Überblick, in der Hoffnung dass GoogleMaps den Link nicht wieder entfernt:

Es ging im Prinzip schon gut los, denn ich bin erst mal nicht in Satun gelandet, von wo aus das Boot nach Langkawi fährt, sondern in Pakbara. Wurde dort kommentarlos samt Gepäck ausgeladen und mir selber überlassen. Wunderbar. Ich hab ja inzwischen gelernt, alle Widrigkeiten mit einem Lächeln hinzunehmen, bzw. so mit den Zähnen zu knirschen, dass es wie ein Lächeln aussieht, aber diemal war ich doch ein bisschen aufgebracht, wollte ich doch nicht das einzige Boot verpassen, das pro Tag fährt. Irgendwie haben sie es dann geschafft, mich und noch ein paar andere gestrandete nach Satun zu kutschieren und siehe da, das Boot war gerade bereit zum „boarding“. Seufz. Ich hab mich im Obergeschoss nieder gelassen, ein grauenhaftes Video-Movie über mich ergehen lassen, und mein Leberwurstbrot verzehrt. Diese Art von Reiseproviant dürfte hier ungefähr so häufig vorkommen, wie eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte in der Wüste Gobi.

Immigration auf Langkawi war, wie erhofft, problemlos, zwei harmlose Fragen nach woher und wohin, zack Stempel in den Reisepass, und ich war erst mal glücklich. Vorübergehend.

Als Domizil hatte ich mir die „Rainbow Lodge“ auserkoren, die mir von mehreren Seiten empfohlen worden war. Hmhm, das war zwar nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber gut, ich war erst mal da. Die Lodge liegt nicht am Strand sondern im Cenang Valley, ehemals hübsche Reisfelder, heute eine Großbaustelle für mehr und noch mehr „Budget“ Unterkünfte. Blick auf einen Sumpf voller Wasserhyazinthen und malerisch im Schlamm dösende Wasserbüffel – nebst einer neu aus dem Boden gestampften Baustelle, der Sumpf wurde mit Schotter aufgeschüttet.

Die ersten beiden Nächte hab ich in einem Zimmer verbracht, in dem nichts ausser einem Bett und der Nasszelle vorhanden war. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Kleiderhaken… buchstäblich nichts. So kann man natürlich keinesfalls drei Monate lang hausen. Ich hab mal höflich angefragt, wies denn so aussähe mit etwas Mobiliar. Die Leute sind übrigens unheimlich nett, nichts gegen Eddie, Gerrry, Lio, Mr. T und Co.

Lio meinte, sie hätte da was für  mich. Die Rainbow Lodge verfügt noch über vier kleine Häuschen, „voll möbliert“, die man monatlich mieten kann. Hinten raus, im sogenannten Kampung Hadji Mydin. So eine Art Hüttensiedlung auf Schotter.

Im ersten Moment sah das auch sehr gut aus, ein großes Zimmer mit Doppelbett, ein Sofa, passender Hocker, der obgligatorische Fernseher, dessen Stecker sofort dem vom meinem Laptop weichen musste, des weiteren eine „Küche“ mit Spülbecken, Minikühlschrank, Toaster und Wasserkocher, und ein gigantisches Badezimmer, in dem sich eine Toilette und ein Waschbecken fast verloren, und die geilste Dusche, die ich jemals hatte: ein Duschkopf an der Decke, ca. 30 cm im Durchmesser, der einen wahren Wasserfall auf einen niederrauschen liess. Soweit so gut.

Die erste Nacht in diesem Bett war eine Qual, ich dachte, ich liege praktisch direkt auf dem Federkern. Ich hab versucht, Sofakissen unterzulegen, aber das funktioniert nicht, weil alles ständig auseinander rutscht. Am nächsten Tag, sprichwörtlich gerädert, hab ich meinen Nachbarn gefragt, ob er auch so ein tolles Bett hätte. Er hat gemeint, ich sollte die Matratze einfach mal wenden. Gesagt getan. Und siehe da, es hat gewirkt, diese Genies haben das Ding einfach verkehrt rum aufgelegt. Malayen.

Mit dem Kühlschrank war das ne feine Sache, von wegen Bier kalt stellen. Aber da es nur eine einzige Steckdose in dieser „Küche“ gibt, war es ein ständiges plug and unplug, Kühlschrankstecker raus, Wasserkocher rein, Wasser für den Kaffe heiss gemacht, Stecker raus, Toaster rein, nach dem Frühstück ausgegangen, und vergessen, wieder umzustöpseln, Kühlschrank abgetaut, Küche schwimmt…

Unten die Hütten, wer meine Wohnlage auf Tioman gesehen hat, erkennt auf den ersten Blick, dass das nichts für mich ist:

4Huetten

 

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