Katzen kastrieren!

Ich habe ja schon öfter erwähnt, dass es hier unglaublich viele Katzen gibt, die meisten davon werden auch nicht direkt gefüttert sondern sind halb wild, sie gehen bei den Restaurants „betteln“ oder jagen eben. In der Regenzeit, wenn hier alles dicht ist, geht es ihnen entsprechend nicht so gut.

Die ganze Population wird natürlich von den Waranen dezimiert. Wenn ich meine Nili als Beispiel nehme, von ihrem ersten Wurf mit drei Kätzchen hat grad mal eins überlebt, vom zweiten, von dem ich nicht weiss , wieviele es waren, auch nur eins, und vom dritten Wurf garkeins. Das klingt jetzt ja harmlos, aber es waren dann pro Jahr plus zwei, und ich weiss nicht, wieviele Weibchen es hier gibt. Die Kater haben offenbar wesentlich bessere Karten, was das Überleben angeht. Lassen wir es aber nur 20 Katzen sein, wären das mindestens 40 neue pro Jahr.

Ich hatte ja mit einer Bekannten mehrere heisse Debatten, was das Thema angeht. Ich war und bin immer noch der Überzeugung, dass die Art und Weise, wie sie hier bauen (Esplanade, Marina, Strasse, Schule…) wesentlich mehr Schaden anrichtet als die Katzen. Erstens ist hier ja vor allem Meeresschutzgebiet, und was sich da in der Zeit geändert hat, seit ich zum ersten mal hier war (2004) ist unübersehbar. Hier in unserer Bucht ist so manches an kleinen Korallenriffen verschwunden seit dem. Nazris kleines (früher „eingezäuntes“) Riff existiert nicht mehr. Riff ist wohl der falsche Ausdruck, ich meine damit einfach ein Gebiet, in dem viele schöne Korallenstöcke zusammen standen, die jetzt eben tot sind. Die Esplanade hat einiges ruiniert. Die hatten zwar damals Netze gespannt rings um das Baugebiet, aber der ganze Feinschlamm geht da natürlich durch. Und das ist das Ende für viele Korallenstöcke gewesen. Ich weiss nicht, ob die Fische, Tintenfische, Rochen, Schildkröten usw. dann umziehen, oder ob die mit draufgehen. Bin eben eher Botanikerin als Meeresbiologin. Muss mal Emi fragen, die kennt sich da besser aus….

Nun gut, und was die Katzen angeht, unsere Insel ist ja nur am Rande bewohnt, im Wortsinne, also das ganze Inselinnere besteht aus unzugänglichem Regenwald und relativ hohen Bergen. Und auch an der Küste gibt es genug unbewohnte Buchten. Die Katzen halten sich nur da auf, wo Menschen sind, also denke ich, die gesamte Fauna hat hier noch genügend Platz um sich ungehindert auszubreiten. Aber auch da bin ich auf Spekulation angewiesen. Es scheint mir halt einigermassen logisch. (Als … damals meinte, ich sollte Nilis neuen Babys am besten gleich den Hals umdrehen, hatte ich starke Bedürfnisse, das mit ihrem Hals zu tun! Aber das hat sich ja dann von alleine erledigt, sozusagen…)

So, nun bin ich vor – ja, vermutlich schon wieder über einer Woche – frühmorgens zum Shop „Double Ace“ (von mir auch gern „Doppelarsch“ genannt, weil sie ständig die Preise ändern…) gelaufen, um zu gucken, ob ich was essbares ergattern kann. Dabei komme ich an Bens Diveshop vorbei, und Darren, der da arbeitet, hat mir erzählt, da wäre was im Gange, was mich interessieren könnte, ich hätte doch auch ein paar Katzen.

Ich höre! Er hat mir erzählt, dass hier ne Projektgruppe aus Singapore angekommen wäre, Tierärztin und Biologen, die würden die Kater kastrieren, ob ich Interesse hätte. Hmm. Im ersten Moment war ich etwas skeptisch. Es ist ja schier unmöglich, hier alle Kater zu erwischen, und einer reicht ja, im Prinzip, um sämtliche Katzen zu schwängern. Aber ich habe mich bedankt für die Information und gemeint, ich lass es mir durch den Kopf gehen. Auf dem Rückweg vom Laden bin ich dann James begegnet, ich weiss garnicht mehr, wie wir überhaupt ins Gespräch gekommen sind, aber er war eben einer der Biologen von dieser Gruppe.

Nach meinem Frühstück zuhause hat mir das natürlich keine Ruhe mehr gelassen und ich wollte doch wissen, was da vorgeht, bzw. was die da machen. Also bin ich losmarschiert um zu gucken, wo die denn ihre OP-Station haben.

Es hat sich dann herausgestellt, dass Ben sein „Klassenzimmer“ von der Tauchschule zur Verfügung gestellt hat und ich hab mal reingeschaut. Die Leute waren gerade voll zugange und wir haben uns im Flüsterton unterhalten, ich hab mich vorgestellt, hab gesagt, ich bin auch Biologin und lebe hier, die waren total begeistert, und schon war ich rekrutiert, klar.

Habe also meine drei Katerchen „angeboten“ und dazu gleich noch die beiden Dreckskater vom Kojek und am besten wäre es, wenn wir „Hitler“ auch noch kriegen könnten!

Das mit „Adolf“ ist eine kuriose Geschichte. Irgendwie kommen mehr oder weniger alle Leute auf die selbe Idee. Er ist ein schwarz-weisser mit einem eindeutigen schwarzen Schnautzbart… Der Name ist einfach da ;-)

Nachmittags kamen sie dann mit drei Boxen bei mir vobei und wir bekamen erst mal meinen Hiti, und den Weissen und tatsächlich den Adolf. Der war in letzter Zeit sozusagen zum „Problembär“ geworden. Er hat früher woanders gewohnt, im Ödland zwischen Mawar und Eco-Divers, aber da wurde ein neues Haus gebaut inzwischen, und die Leute haben ihn wohl vertrieben. Kannte ich ihn bisher nur als freudlichen, friedlichen Einzelgänger, der sich nachts manchmal zu mir ans Lagerfeuer gesellt hat, wurde er nun zunehmend zum Raufbold und war ständig hinter Nili her und hat mit den anderen Katern hier um meine Hütte rum heftig gekämpft. Er wollte sich wohl ein neues Revier erobern, was ihm ja auch nicht zu verdenken ist. Da er recht groß und stark ist, hatten meine ziemlich zu leiden unter ihm, und ich auch, weil er nächtens ständig randaliert hat hier. Die bekannten „Schrei-Competitions“ und wüste Raufereien. Ich weiss nicht, wie oft ich wieder nächtens halb nackig aus den Bett gesprungen bin, und den Wassereimer über ihm ausgeleert hab…

Also eine kleine Drosselung seiner Hormone wäre bestimmt nicht das Schlechteste. Und der Spruch „wir haben Hitler kastriert“ ist eh nicht zu übertreffen! LOL!

Dann kam nochmal ne Runde und wir hatten dann auch meinen lieben Nick und die zwei Stinker von Kojek. Harte Arbeit, die Katzenboxen nen halben km weit zu tragen. Aber es hat mir echt Spass gemacht, sozusagen mal nen Biologen-Job zu haben. Und die Leute waren einfach super nett!

Ja, und dann kamen die Patienten zurück und waren völlig fertig. Die hatten da wohl ne gute Dosis Betäubungsmittel in den Spritzen. Das Ganze wurde natürlich unter Vollnarkose gemacht, also keine Quälerei. Die Mietzen waren kaum in der Lage, aufzustehen, sind ständig wieder umgefallen, wirr im Kreis rum gelaufen usw. Ich wollte meine drei eigentlich in der Hütte haben, damit keiner unter die Räder der Mopeds kommt, oder in den Sumpf fällt, wo die Warane lauern. Die haben randaliert da drinnen, sind gegen die geschlossenen Fenster gesprungen, haben meinen „Kochplatz“ abgeräumt, oh Mann!

Ich saß aussen auf der Veranda und habe mir endlich ein Bier gegönnt.

Auf dem Nachhauseweg wurde ich auch schon von ein paar besorgten locals angesprochen, was das denn nun werden sollte, die armen Katzen usw. Ich hab versucht, ein bisschen zu erklären, warum und wieso. Die wichtigste Frage war, nach dem Sinn des Lebens, so ungefähr ;-)

Können die denn nun nie mehr „Spass haben“? Ich musste mich echt beherrschen, um nicht laut herauszulachen. Hab erklärt, dass die durchaus noch Spass haben können, nur eben keine Babys mehr. Aha. Aber wieso, das wäre doch alles ganz natürlich hier, mit den Katzen und so…  Ja, schwierig, aber ie haben doch akzeptiert, dass es vielleicht zu viele sind. Ich hab getröstet und versichert, die sind morgen wieder ganz normal, nur aufpassen, dass sie nicht unters Moped kommen. Und wenn sie fressen, ist es ok.

Das haben meine auch versucht, ich hatte extra ne Dose Fisch spendiert, aber wie mein Zimmer hinterher ausgesehen hat, spottet jeder Beschreibung! Und zum Teufel nochmal, konnte ich keine Fotos machen, weil gerade alle Batterien leer waren. Echt schade!

Meine also drin am Bude zerlegen, Kojeks draussen am rumkugeln. Kaum war ich am Bier aufmachen, kam der halbe Mawar Clan zum gucken. Ich hab erklärt, die wären jetzt komplett mabuk (besoffen) von der Spritze und morgen wäre alles wieder gut. Das mit dem „mabuk“ hat dann große Erheiterung ausgelöst, und der dicke Junge hat versucht, den beigen Kater von Kojek zu fangen, was bei dem natürlich noch mehr Panik ausgelöst hat. Ich dachte nur, hoffentlich gehen die bald. Hab dann gemeint, er sollte den vielleicht besser seinen Rausch ausschlafen lassen, was wiederum auf Verständnis gestossen ist.

Die Nacht war dann doch ziemlich kurz für mich. Aber am nächtsten Tag war alles wieder auf normal und ich habe nichts gehört, dass eine Katze umgekommen wäre durch die ganze Aktion.

Die Leute kommen in ein paar Monaten auch nochmal wieder, denn mit einmal ist es natürlich nicht getan. Und wir haben Kontakt, also bin ich nächstes Mal wieder dabei.

Link: ECOFIELDTRIPS

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Ein Kommentar zu „Katzen kastrieren!

  1. Die Katzen wären allerdings auch ein Grund für mich, nach Tioman zu fahren.

    Auf der anderen Seite denke ich schon, dass sie die Ökologie im Inselinnern stören könnten. Sie leben halt nur gerne bei den Menschen, weil sie dort relativ einfach an Futter kommen. Und wenn das nicht funktioniert, könnten sie schon gezwungenermaßen woanders hin wandern.

    Hab‘ aber selbst keine Ahnung von der Fauna auf Tioman und ob sie da realistischerweise gut überleben oder andere heimische Arten ernsthaft gefährden könnten.

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