TIA – This is Asia!

Stell dir vor, du bist komplett pleite, du gehst mit 75 Cent im Geldbeutel aus dem Haus, läufst 3 km ins Nachbardorf zum einzigen Geldautomaten auf der Insel, und der ist leer. Die Bank hat zu. Du gehst zum Duty Free, dem einzigen Laden, in dem man mit VISA Card bezahlen kann, und die können zwecks mangelhafter Verbindung nicht checken, ob deine Karte gültig ist…

Und trotzdem kommst du nach ein paar Stunden nach Hause, den Rucksack voll mit Katzenfutter und allen notwendigen Lebensmitteln, die auf dem Einkaufszettel standen, den Bauch voll mit einer halben Pizza und zwei Dosen Bier, und einem Beutel mit 6 extra Dosen eiskaltem Tiger Beer für den Rest des Abends! So ist das hier.

Normalerweise lasse ich es ja nie soweit kommen, dass ich gar kein Bargeld mehr habe, aber es hat sich diesmal so ergeben. Mit diesem Geldautomaten da in Tekek hadere ich sowieso die ganze Zeit, weil der nur die VISA nimmt und dafür zahle ich dann jedesmal 8 Euronen, wobei der maximale Betrag, den ich pro Tag bekomme 1500 MR sind, umgerechnet nicht mal 400 €. Stolzer Preis, dann. Irgendwie müssen die armen Banker ja ihr Geld verdienen.

Ich habe im „Postamt“ nebenan reingeschaut, die Damen kennen mich ja mittlerweile, von meinen Telefonieraktionen, und eine hat ihre Karte gezückt, und hat 10 RM aus dem Automaten geholt, so ungefähr, na siehste, geht doch. Ja, aber bei mir kam immer wieder die gleiche Meldung, irgendwas im Sinne von: Ihre Abhebung beträgt mehr als 8 Scheine… Ich hätte doch gerne ein paar mehr gehabt.

Also gut, bin weiter zum Duty Free, hab Lebensmitteleinkauf und Katzenfutter abgeschrieben, aber wenigstens Bier und Zigaretten sollten machbar sein, und vielleicht ein kleiner Deal. Hab dort gefragt, ob das irgendwie möglich wäre, dass ich was einkaufe per VISA Card, dann wieder zurückgebe und die mir Bargeld rausgeben? Die kennen mich natürlich auch sehr gut, inzwischen. Nö, sagt das Mädel –  ich ruf mal Cheffe an, sagt der junge Mann. Wie wir wissen inzwischen, dauert das dann ja etwas. Ich bin also in dem Laden spazierengegangen, hab mich mit den Leuten unterhalten… nach ner Viertelstunde kam der junge Mann wieder und hat gemeint, sie könnten mir Geld geben, aber halt gegen einen kleinen Aufschlag. Ausserdem wäre das mit diesem ATM doch wirklich ein Jammer, das passiere ständig, dass der leer wäre, gerade an Feiertagen und da hätte ja die Bank dann auch zu, bedauerlicherweise. Ich weiss.

Dann hat er versucht, meine VISA Card zu checken, wie das üblich ist, aber leider kam keine Verbindung zustande. Wir warten. Nach ner halben Stunde try and error hat er gemeint, das wird wohl jetzt nix, aber er versucht es später nochmal, und drückt mir 20 RM in die Hand, damit ich zwischenzeitlich etwas essen gehen könnte! Ist das nicht süß?

Ich bin zum Impian (mini Supermarkt) gelaufen und hab mal mein Zeugs eingekauft. Dann kam mir noch eine Idee. Ich hab noch nen Versuch beim Captn Kirk gemacht, der hat hier auch einen duty free laden im kleineren Massstab, und wechselt auch mal Fremdwährung im Notfall, aber er war höchstselbst nicht anwesend und sein Gehilfe hat kein englisch verstanden. Dafür saßen aussen zwei alte „very british“ Knaben bei ner Flasche Whiskey, die hätten wirklich dem Kolonialzeit Fotoalbum entsprungen sein können. Mit dem Segelboot unterwegs und grad hier in der Marina vor Anker.

Die haben mir allerlei erzählt über Malaysia und Tioman, und ich habe mich schon gefragt, wer von uns hier eigentlich wohnt. Lach.

Whiskey haben sie mir leider nicht angeboten und Nichtraucher waren sie wohl auch, aber nett trotz allem.

Also wieder zurück zum Duty Free und nochmal ne Stunde rumprobiert. Bekam dann auch etwas zu Knabbern angeboten, zwischen durch. Ohne Essen kann ein Malaysier nicht überleben, keine 20 Minuten, sozusagen ;-)

Nix ging mit der Karte. Ich hab beschlossen, wieder nach Hause zu laufen, bevor es ganz dunkel wurde, und der junge Mann war ganz traurig, dass es nicht funktioniert hat, aber ich wollte nicht noch stundenlang da rumhängen. Also hab ich mich hundert mal herzlich bedankt und mit meiner Hand auf dem Herz versprochen, dass ich morgen sofort die 20RM zurückgebe, und nochmal danke, und so weiter.

Kommt man über den Berg in die „Heimatbucht“ ABC, landet mal erst mal bei der Sunset Bar. Dort hab ich kurz halt gemacht und dem Barkeeper Sully – von mir wird er Sunny genannt, wegen seiner sonnigen Art, und er nennt mich Mrs. Cat  – mein Problem erzählt, und gefragt, ob er mir denn ein paar Dosen Bier „leihen“ könnte bis morgen? Kein Problem, natürlich nicht! Nimm nicht 5, nimm 6, dann ist es billiger, ich geb dir auch den happy hour Preis….

Wir residents, also die Ausländer, die hier wohnen, geniessen bei den Bars den Sonderstatus, dass für uns immer happy hour ist. Sprich, die Dose kostet dann statt 5 nur 4 RM.

Kaum hatte ich meinen Rucksack wieder auf, kam Emi grad an, meine inzwischen gute Freundin hier, und hat mich erst mal auf nen Schluck eingeladen, und auf ne Zigi, und dann noch auf die Hälfte ihrer Pizza… also ich kann mich hier echt nicht beklagen!

(Habe mich dann mit Spaghetti kochen revanchiert bei ihr, das war lange fällig!)

Und somit haben sich mal wieder alle Probleme von allein gelöst! Am nächsten Tag war der ATM übrigens auch wieder voll.

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3 Kommentare zu „TIA – This is Asia!

  1. „…nur die VISA nimmt und dafür zahle ich dann jedesmal 8 Neuronen..“
    Wohl immer noch beim falschen Geldinstitut. Null Euro bei DIBA – weltweit. :)
    Jaja, die Deutschen, immer treu!

  2. du weisst ja, dass ich das versucht habe mit der DIBA, nur ohne festen Wohnsitz in DE ist das leider nicht möglich…
    jaja, die Deutschen!

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