Frohe Weihnachten – schon wieder!

Wenn ich mir das so recht überlege, habe ich nun tatsächlich schon zum 7. mal Weihnachten in Asien verbracht…
Lake Toba (Sumatra, Indonesien) – großartig! Zwei mal Cameron Highlands (Malaysia), auch absolut super. In den Bergen hat das schon was, auch in den Tropen,  das Feeling ist einfach irgendwie anders. Es ist kühler, es gibt Nadelbäume. Langkawi (Malaysia) war nicht der Bringer. Pulau Weh (Indonesien) schon sehr bedenklich. Letztes Jahr Penang und Tioman, siehe weiter unten, und nun dies hier! Kurz und bündig: Weihnachten am Strand ist einfach kein Weihnachten, und schon garnicht im Monsun.

Von den 8 Wochen Urlaub damals hat es auf Pulau Weh 7 Wochen lang geregnet, immerhin noch mit täglichen Pausen, aber mir sind fast die Haare vom Kopf geschimmelt. Die Hütte war ja unter aller Kanone, und wenn ich das sage, will das was heissen, hartgesotten wie ich bin.
Auf Langkawi war es damals sengend heiss und die blödste aller Ideen war, in dem einen Hotel ein „richtiges“ Weihnachtsessen einzunehmen: Entenbraten mit Rotkohl und Semmelknödeln! Hinterher war uns schlecht von dem schweren Zeug und wir haben eine ganze Flasche Wodka gebraucht um das zu verdauen. Zumindest war es aber noch einigermassen lustig damals. Die niedlichen kleinen asiatischen Mädels vom staff mit ihren Santa Claus Mützchen und die Jungs mit Rentiergeweih, also wirklich … Manchmal denke ich mir ernsthaft: die spinnen, die Malaysier. Und dann diese gang von der International School, mit ihrer Stereoanlage, die sich direkt neben uns eingemietet hatten, oh mein Gott, haben die einen Höllenlärm veranstaltet, zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir praktisch kein Auge zugetan. Wie hiess deren Boss nochmal? Marx? Lenin? Engels! Das wars. Ich hatte nach 5 Tagen die Schnautze dermassen voll, dass ich mir ernsthaft überlegt habe, die Boxen zu zertrümmern oder einen Haufen drauf zu setzen.  Die eine Nacht, 4 Uhr morgens oder so, als ich völlig verzweifelt mit einer Dose Bier am Strand sass, eulenäugig, und die nette Frau von dem pensionierten englischen Botschafter sich dazu gesellt hat, eben falls mit einer Dose Bier bewaffnet und gemeint hat: oh, there’s someone else trying to knock herself out! will this ever have an end? let’s get drunk together! Ja, die guten alten Zeiten! Urlaube mit Andy waren immer vom Feinsten.
Hier hat es seit Oktober ununterbrochen geregnet, am Stück, pausenlos, auf dem Festland war es wohl stellenweise auch so übel. Ich dachte, die können bald anfangen eine Arche zu bauen, bei der Artenvielfalt, die hier geboten ist, hätte es wohl eher einen Supertanker gebraucht, im Notfall. Im Nachhinein kann ich sagen, letztes Jahr ist die Regenzeit wohl mehr oder weniger – nein, nicht ins Wasser gefallen, grins – ausgefallen, oder, sehr milde ausgefallen. Und ich dachte, das wäre normal hier auf Tioman. Weit gefehlt. Jetzt weiss ich, was normal ist. 10 Wochen lang Wolkenbruch. Man lernt nie aus.
Ich habe die letzten Wochen kaum das Haus verlassen. Zwei, drei kurze Strandspaziergänge täglich, wenns mal für ne halbe Stunde aufgehört hat zu giessen, kurz Zigaretten holen, mehr war kaum drin.  Da ich nun selber koche, blieb mir – gepriesen sei mein phantastischer „Multi-Cooker“ – auch das Gefress vom „South Pacific“ Restaurant erspart, und da immer noch kein Mangel an (guten!) Büchern herrscht, war es insgesamt recht geruhsam, aber auf Dauer gesehen doch nervig und – ich muss es zugeben – langweilig ohne Ende! Seit ich in Asien bin, zum ersten Mal Langweile. Auch mit 4 Katzen ist es doch etwas öde, wenn gar keine Leute mehr da sind. Hier haben sie praktisch den ganzen Betrieb geschlossen, es gibt nichts mehr zu kaufen oder die Läden sind gleich komplett dicht. Zwei bis dreimal die Woche bin ich rüber nach Tekek marschiert um mich beim „Impian“ Minimarket mit Lebensmitteln einzudecken, dreist wie sie sind, haben sie sogar den Duty-Free-Shop teilweise geschlossen, also Null Bierchen.
Kann man sich doch mal eine Bemerkung nicht verkneifen, von wegen: Was, kein Brot heute? Keine Erdnüsse? Keine Eier?  Bekommt man 100%ig die Antwort: it’s rainy season! Jaja, ich weiss schon, das heisst aber auch: wir haben keinen Bock im Moment! Lohnt sich nicht, wegen drei Leuten. Sie haben ja auch recht, irgendwie, nur manchmal… Das ist so ungefähr das selbe, wie wenn sie im Sommer sagen: Too hot to cook, heute bleibt die Küche kalt, was du isst oder nicht isst, geht mir am A… vorbei. Speziell in ABC haben sie schon einen besondern Hang zur absoluten Wurstigkeit und – ich muss das nochmal erwähnen, weil mich das wirklich aufregt – zur exotischen Preisgestaltung. Die Zigis kosten mal 3 RM, mal 4, mal 4.50,  (ha, und heute gleich 5, ist es denn wahr?) je nachdem, wer grad im Laden steht. Das gilt auch für alle anderen Dinge, Grundnahrungsmittel (Milch: 1,60 – 2,50, Würstchen 3,80 bis 5,00), Klopapier (1 bis 2 RM) usw. Und daran werde ich mich nie gewöhnen!
Diesmal sei ihnen aber zugestanden, dass das Versorgungsboot wirklich oft Tage lang nicht durchkam, und dann waren die Läden eben leer. Oder zu.  Kismet.
So kam es auch, dass ich meinen Geburtstag alkohol- und menschenfrei verbracht habe, das war wohl das erste mal seit ich 16 war, bezüglich des Alkohols zumindest. Meine Leber hat bestimmt frohlockt. Hosiannah sag I. Hosiannnahh!!!  Eier Manna kennts seiba saufa! (kicher!) Doch mal wieder Fish & Chips beim South Pacific, ausnahmsweise, zur Feier des Tages, aber: der Fisch trocken und hart, die Pommes dafür weich und fetttriefend. Naja, die Katzen haben sich gefreut über die Reste.
Abends habe ich Tee getrunken, Weihnachtsplätzchen gegessen und „The Hunt for Red October“ gelesen, ich weiss nicht, wie oft ich den Film gesehen habe, einer meiner absoluten Favoriten, und das Buch ist auf englisch viel besser als auf deutsch, wie so oft.
Die Vorweihnachtszeit habe ich wahrscheinlich garnicht so viel anders verbracht als ihr Europäer. Scheisswetter, also macht man es sich drinnen gemütlich und bastelt Weihnachtsschmuck. Der Weihnachtsbaum ist echt der Clou, ich bin nach wie vor entzückt! Und das Tinsel (= Lametta)-Mobile werde ich auch noch ne Weile behalten. Hätte ich die ganzen Chang-Bierdosen verbastelt, die ich hier im letzten Jahr geleert habe, wäre das ein Wald von Weihnachtsbäumen geworden. Man hätte auch eine grün-silberne Pyramide bauen können. Mit roten Päckchen von dem Papier der leckreren Schokowafeln drunter. Wäre bestimmt hübsch gewesen. Aber für die Katz, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn kein Mensch da ist, der sich drüber amüsiert hätte.
Am Tag vor Heilig Abend habe ich gesehen, dass das Versorgungsboot endlich mal wieder vom Festland gekommen ist und bin sofort losmarschiert zum Einkaufen. Es hat fast nicht geregnet, ich bin also trockenen Fusses, wie man so schön sagt, nach Tekek gelangt. Eher aber trockenen Kopfes, die Füsse werden zwangsläufig immer nass, weil man durch gigantische Pfützen waten muss.  Der Laden war tatsächlich etwas aufgefüllt, super! Ich habe Kartoffeln ergattert und das Festessen war  gebongt. Wie bei mir seit vielen Jahren der Brauch, gibt es am heiligen Abend Kartoffelsalat mit Mayo und heisse Würstchen. Und da ich so schlau war, mir aus DE Portionspackungen Senf mitzubringen, hat das auch mit den faden Hühnerwürstchen hervorragend gemundet. Zwei Pfund Katzenfutter kamen auch mit, schliesslich hat ja der liebe Nick an Weihnachten Geburtstag. Ist das ein schönes Katerchen geworden, und total lieb ist er auch, das sind sie alle.
Erdnüsse zum Rösten, ne Dose Thunfisch, besagte Würstchen, Eier, ein paar Tomaten, die leckeren Schokowaffeln gabs auch, ich hab alles bekommen, was ich wollte. Der freundliche Mann vom „Katzenfutterladen“ (beim Flughafen) ist mir mit dem Moped hinterher gedüst und hat mich rüber gefahren bis zur Abzweigung nach Juara. Ich habe inzwischen sehr oft Glück und werde ein Stück mitgenommen oder  ganz bis zur Treppe gebracht. Wenn sie wollen, können sie schon SEHR nett sein! Und wenn der Rucksack locker 10 kg wiegt ist es wirklich schön, wenn man ihn nicht die ganzen 3 km schleppen muss.
Am 24. hab ich erst mal rumgewerkelt. Es hat immer noch nicht geregnet, also konnte ich Wäsche waschen, was auch dringend nötig war. Auch so ein Brauch bei mir: zwischen Weihnachten und Neujahr darf man keine Wäsche raushängen, das bringt Unglück (hat meine Oma seelig jedenfalls behauptet, und ich bin nicht sehr abergläubisch, aber ein bisschen doch).
Nachdem die Wäsche im Wind hing, habe ich zwei große Sträusse „Weihnachtssterne“ (Pointsettia) gepflückt, die wachsen hier wild, und zusammen mit Grünzeug von Kasuarinabäumen auf der Veranda dekoriert, hübsch!
Dann bin ich nochmal losgelaufen nach Tekek, erstens, um zu versuchen, ob ich von der Mini-Post aus ein Ferngespräch führen kann (hat wunderbar funktioniert, per Handy übrigens, Telefone gibts hier nicht!) zweitens um noch frische Doughnuts bei der schönen Bäckerin zu besorgen und ein paar Dosen Bier, und zur Feier des Tages habe ich mir eine Flasche MALIBU gegönnt (auch eine Premiere), ich könnte ja baden in diesen Kokos-Cocktails, aber normalerweise ist mir das zu teuer. Etliche Dosen Ananassaft dazu, jup!
Mit draussen sitzen bei Kerzenschein wars dann am Weihnachtsabend leider nach kurzer Zeit vorbei. Es hat wieder angefangen zu schütten was das Zeug hält. Wäsche war gottseidank trocken geworden. Ich habe mich also gemütlich aufs Bett verfrachtet mit „Pina Coladas“ und „The Stand“ von Stephen King, extended version, auch eins meiner Lieblingsbücher, und hab mich etwas besäuselt bis nachts um drei oder so.
Am ersten Feiertag war Sturm angesagt, das Meer hat getobt, und ich habe nichts weiter gemacht als gelesen und mich spät nachts noch etwas gewundert, was das Volk da draussen mitten in der Nacht treibt. Am nächsten Morgen musste ich feststellen, dass der halbe Strand weg war, das Wasser ist bis über den Weg geschwappt und die Mawars (meine Nachbarn) hatten in der Nacht Sandsäcke gefüllt und damit ihr Restaurant  davor bewahrt, mit einem halben Meter Sand überschwemmt zu werden.  Auch eine Premiere, so hoch ist das Wasser bisher noch nie gekommen.

Kleine Sturmflut, Neumond, Sturm vom Meer her, hat alles wunderbar gepasst. Um euch zu beruhigen, mir kann hier nicht viel passieren, die Hütte steht auf Betonpfosten und es geht Richtung Land stetig abwärts, zum Sumpf hinter den Häusern, also würde das Wasser einfach unten durch laufen. Das Dach ist dicht und offenbar Sturm fest. Das Schlimmste was passieren könnte ist, dass ein Baum umkippt, aber auch da bin ich einigermassen sicher, hier steht keiner so nah, dass er aufs Haus fallen könnte. Warum ich bei so einem Sturm übrigens nicht draussen rumlaufe hat andere Gründe. Kokospalmen. Wer jemals den dumpfen Schlag gehört hat, wenn eine große Nuss aus 10m Höhe runterknallt, weiss, was ich meine.
Ja, und das wars dann auch schon wieder mit Weihnachten. Geruhsam und stressfrei. Hier kommt gerade eine pitschnasse Katze hereinstolziert und fletzt sich mitten auf mein Kopfkissen. Und ab die Post, Mietze!

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