Chinesen – oder: andere Länder, andere Sitten

Hier im Guesthouse ist immer noch Bauerdaustelle ähm, Dauerbaustelle. Gerade natürlich im „backyard“ wo ich wohne. Der Hinterhof ist mein bevorzugtes Plätzchen, hier kommt keiner vorbei und ich kann bei geöffneter Zimmertüre sitzen, im Sarong. Eigentlich auch ruhig. Wenn die nicht grad früh um sieben putzen. Damit setzen sie den ganzen Hof unter Wasser, deshalb wimmelt es hier auch von Moskitos.

Das würde mir jetzt noch fehlen, Malaria oder Dengue. Ich vergifte mein Zimmer mit Spray und atme das natürlich auch ein, was aber eventuell meinen Wurm endlich gekillt hat. Er ist nicht mehr zu spüren. Aber vielleicht ist er inzwischen ja weiss Gott wo.

Bevorzugt werden auch die Duschen morgens geputzt, wenn alle Leute rein wollen, vor dem Frühstück. An dasselbe habe ich mich inzwischen auch gewöhnt und nehme klaglos Currypuffs, Klebreis, Roti Canai und Nasi Lemak zu mir. Was solls.

Heute nacht hab ich mal wieder prächtig bzw. garnicht geschlafen. Sie haben jetzt hier ne ganze Menge Leuchten installiert, nett, aber wenn die die ganze Nacht über Flutlicht in dein Zimmer strahlt… Vorhang hab ich ja auch nicht mehr. Dann hat die Wasserleitung irgendeinen Schaden, jedesmal wenn jemand auf dem Aussenklo spült, macht das ein Geräusch wie Fliegeralarm. Und der Dion ist weg, mein neuer Nachbar ist Chinese. Was die rülpsen und furzen ist einfach nicht normal! Aber bei dem Essen wiederum.

Heute war dann der Elektriker, Installateur oder was auch immer, wieder am werkeln. Und der rülpst nicht nur, der rotzt. Also schön hochziehen und ausspucken, ungefähr im 5 Minuten Takt. Wer weiss, ob meine Grippe überhaupt vom Bus kam, wir haben hier ja auch noch zwei schwindsüchtige Gastarbeiter aus Sri Lanka, und die sind auch dauernd am spucken. Ich weiss, das klingt etwas abfällig, aber die zwei Kerlchen wiegen schätzungsweise 45 Kilo, sind beide kleiner als ich, was wirklich selten vor kommt und sowas stellen die hier an als Hausmeister. Die kommen ja nicht an die Lichtschalter ran. Sind wir wieder böse, heute!

Gerade im Moment kracht es beängstigend, ein deftiges Monsungewitter tobt, mal sehen, wie lange wir noch Strom haben. Und das regnet, meine Güte!

Ja, doch, ich liebe es auch irgendwie. Langweilig wird es jedenfalls nie.

Morgen ist Sonntag, da ist wenigstens die chinesische Managerin nicht da, die den ganzen Tag die Leute anschreit, und mit was für einem Organ. Von wegen Asiaten schreien nicht rum.

Vielleicht sollte ich mal vom Netz gehen? So, Stecker raus, akku, das kracht hier ganz gewaltig und alle Schleusen sind offen, Monsungewitter sind echt beeindruckend. Ich weiss noch gut, wie ich auf Tioman ganz allein im Dunklen lag und Evakuierungspläne überdacht habe ;-)

Da habe ich nun die ganze Regenzeit über dort gelebt und nun bin ich pünklich an der Westküste! Da spült es den ganzen Dreck aber auch mal wieder weg. Hat alles immer auch etwas Positives.

Die Touris meistens nicht. Abgesehen davon, dass sie vor lauter SMSen garnicht mehr wissen, in welchem Land sie sich gerade befinden. Oder eben stundenlang vor der Glotze hängen und sich irgendwelchen Mist reinziehen. Hier ist eine Frau, deren einziger Wortschatz in hahaha besteht. Hab sie noch nicht gesehen, aber das nervt erst! Die Kerle hocken rum und quatschen sie voll, stundenlang, im Hintergarten, vor meiner Haustür, und ihr einziger Kommentar ist hahaha.  Blond? Jedenfalls weiss ich auch nicht, warum man kleine Geckos im Klo ertränken muss. Und warum man vollgek.. Klopapier nicht ins Klo sondern in den Abfalleimer wirft! Wir sind hier in der Stadt, nicht irgendwo in Laos. Unglaublich.  Die haben einen Lonly Planet (die Bibel!) von vor 30 Jahren verinnerlicht. Falls sowas überhaupt notwendig sein sollte, heutzutage, dann hängt da ein Schild. Immer wieder höchst erstaunlich, dass gerade die generation I-net null Informationen hat. Wäre doch so einfach.

Ok. genug gelästert für heute. Ich will da auch garnichts schlechtreden, aber falls sich jemand wirklich ernsthaft damit befasst, hier auf Dauer zu leben: so ist es hier – tia – this is asia!

P.S. oder vielleicht doch? Ich entschuldige mich gleich mal für die Blondine vorher. Es ist eine Asiatin. Mit einem sehr arabisch aussehenden Typen. Sie sitzt da und heult, er telefoniert. Und dann geht ja hier inzwischen auch die unterschwellige Prostitution ab, wie eben im 75, in der Star Logde und sonst wo. Sind mal wieder die Geheimtipps, aber mich kotzt das an. Wir haben hier in Malaysia (und ich muss aufpassen, dass ich nicht wieder zensiert werde) eine ganze Menge an Gastarbeitern, die Mädels, die die Zimmer machen usw. kommen vorwiegend aus Indonesien, und da gibt es eine regelrechte Mafia. Es wurde schon mal in der Zeitung (die auch zensiert ist) hoch und breit diskutiert, ob man die überhaupt noch reinlässt. Die Schiffsroute von Penang nach Medan wurde übrigens auch nicht zuletzt deswegen eingestellt. Die Bosse bringen die Mädels rein, nehmen ihnen erst mal den Pass ab, und dann können sie malochen für sagen wir mal 800 RM im Monat. Das ist natürlich zu wenig zum Leben, selbst für ein ganz simples Leben, und dann schicken die ihr ganzes Geld ja nach Hause. Kleiner Nebenverdienst ist da nicht unerwünscht. Im besten Falle werden die Gäste angepumpt, ist mir auch schon passiert, aber ansonsten macht man halt ein bisschen was anderes.

Deswegen auch schon wieder wach, weil man halt diverse Geräusche aus dem Bad hört, inklusive hahaha, und Preisverhandlungen. All Night and so on. Ich bin immer wieder entsetzt, wie beschissen Männer drauf sein können! Sie heult und kichert abwechselnd und er bietet! Naja, morgen ist das Blog warscheinlich weg. Ich wollte das nur auch mal erzählt haben. Es ist natürlich jedem bekannt, was da so abgeht, aber hier in Malaysia dachte ich, wäre es nicht so „öffentlich“. Ich bin hier ja nicht grad in einem Puff sondern in einem eigentlich ganz lormalem anständigen Guesthouse.

Aber was der „hmhmhm“ da alles erzählt hat von der Muntri Street Gang, na bravo! Die haben da die Indonesierinen als Putzen und die haben alle so eine Art Zuhälter. Stellen sich vor den Duschen auf und bieten ihre Künste an. Und er konnte da natürlich auch nicht wiederstehen (oder doch falsches Wort in dem Zusammenhang). Ja, ich weiss, böse und zynisch, aber wie soll man das anders ausdrücken?

Street Gangs gibts hier übrigens auch. Mopedfreeks, die dir die Tasche von der Schulter reissen, sowas hab ich schon gar nicht bei mir. Geld in der Hosentasche, und immer nur soviel wie du grad brauchst. Der Typ regt mich jetzt auf, ich hasse das. Sie will eigentlich nicht. Oder ist das auch nur Masche. Ich hatte fast die Intention mich einzumischen, aber besser wohl nicht.  Macht keinen Sinn.

Ja, wunderbar, spül dir mal den Mund aus. Würd mich jetzt letztendlich interessieren, was er dann gezahlt hat!

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2 Kommentare zu „Chinesen – oder: andere Länder, andere Sitten

  1. … der Beitrag ist so gut wie selten zuvor. Besonders der Schluss gefällt mir.

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