D-Day, oder Zahnarzt 2.0

Meine Fresse, das war hart heute! Gut 1 1/2 Stunden, eher zwei, im Folterstuhl. Mir war schon den ganzen Tag über schlecht. Der Termin war 15:30 und ich hatte genug Zeit, mich zu fürchten, denn ich bin natürlich ausnahmsweise sehr früh aufgewacht, um halb sechs.

Pete (der Neuseländer) hat mich netterweise begleitet, ich habe ja wirklich jedesmal Angst, dass ich aus den Latschen Kippe. Ich bin so ein Schisser, was Zahnarzt angeht. Lieber ne OP in Vollnarkose, als das. Und so eine Wurzelbehandlung ist nun mal nicht sehr angenehm, wobei beim Zahnarzt generell NULL und NICHTS angenehm ist. Für mich zumindest nicht, ich habe da ein Trauma, anders kann man es nicht ausdrücken.

Ok. ich bin also käsebleich (das geht durchaus, auch wenn man braun ist) da reingegangen, aber die Atmosphäre ist sehr gut da. Ich kam auch sofort dran, 10 min früher, das ist eben ein bisschen anders als in DE, die Leute hier wissen offenbar noch zu schätzen, von wem sie ihr Geld bekommen. Der Zahnarzt war, wie beim ersten mal, super nett, höflich, entspannt, vorsichtig ohne Ende, ich sags ja, kein Vergleich.

Ich hab gleich angekündigt, dass ich etwas Angst habe, er hat gemeint, er tut mir nicht weh, und wenn doch, soll ich die Hand heben, dann hört er sofort auf. Absolut verständnisvoll, nicht wie gewohnt dieses „stell dich nicht so an“-Gelabere. Und ich soll ruhig atmen und nicht die Luft anhalten ;-)

Der Zahn ist zwar tot (darum hatte ich ja nichts gemerkt von dem ganzen Schlamassel), aber wenn die Wurzelkanäle gereinigt werden, geht das in den Kieferknochen und da sind natürlich Nerven. Er hat erst mal die Krone abmontiert, und gestöhnt! Da ist wirklich nicht mehr viel übrig! Ich bekam einen Spiegel gereicht, um zu gucken. Danke! Ich erspare euch die detailierte Schilderung.

Dann gings tiefer und ich habe gestöhnt. Er hat nochmal ne Röntgenaufnahme gemacht und gemeint, ok. jetzt gehts zur Sache, es wird wehtun, und wenn es zu arg wird, gibt er mir ne Spritze. Anfangs dachte ich noch, es ist auszuhalten, dann aber doch nicht mehr. Spritze rein, und dann konnte er rumfuhrwerken wie er wollte. Er ist wirklich total vorsichtig, auch die Helferinnen, da klappt alles perfekt, es wird einem nie die Lippe eingezwickt oder die Mundwinkel eingerissen, der Doc entschuldigt sich bei jedem Zucken meinerseits und fragt, ob es mir noch gutgeht. Ich bin zeitweise schon halb in Trance gefallen, musste mich aber konzentrieren, um die englischen Kommandos zu verstehen, weiter auf, weiter nach rechts, zu mir drehen, aufsetzen, ausspülen, usw.

Er hat mir auch immer mal wieder Gelegenheit gegeben, den Mund für ne Minute zu schliessen oder mich aufrecht zu setzen. und zwischendurch mal wieder der Spiegel, um mir zu zeigen, was vorgeht. Stift einsetzen zum Beispiel. Irgendwann war es dann tatsächlich vorbei. Pffff!

Ich habe gefragt, wies weitergeht. Er hat gesagt, er muss nochmal aufmachen und reinigen und der Nachbarzahn, also der letzte hinten links unten, wäre auch angegriffen, wenn wohl auch nicht so schlimm. Man sollte aber versuchen, beide irgendwie zu retten, denn wenn die beiden hintersten fehlen ist es natürlich schwierig. Keine Brücke möglich. Implantate scheiden bei mir aus, das weiss ich schon von DE aus, denn meine Knochen sind dafür irgendwie nicht geeignet.  Ich hab eh so Vogelknochen, ziemlich fragil das ganze Zeug.

Implantate würde ich eh nicht wollen, ich habe da mal ne Story mitbekommen, von einer Freundin, da wurde das ganze innerhalb kürzester Zeit abgestossen, und das war wahrlich kein Spass.

So, und nun geht’s folgendermassen weiter: Ich habe einen neuen Termin am 15. und dann muss ich erst mal nach Thailand, um ein neues Visum zu bekommen. Dann wird es noch an die vier weitere Termine geben, um mein Gebiss wieder einigermassen in Ordnung zu bringen. Kann mir, nebenbei bemerkt, mal jemand verraten, was der nette Zahnarzt in M. eigentlich gemacht hat? Er hat mir meine Brücke rausgerupft um mir ne neue verpassen zu können, und vom Rest nicht das geringste bemerkt. Aber lassen wir das.

Kostenpunkt für heute. Ohne jegliche Krankenversicherung, wohlbemerkt. Fast zwei Stunden Wurzel-Behandlung, Spritze, Röntgenaufnahme, Stift einsetzen (ich bekomme noch eine detaillierte Rechnung des ganzen Zinnobers) hat gekostet 193 Euro. Gut, dass der Kurs grad recht hoch ist, aber nichts desto trotz, in DE hätte ich – mit Krankenversicherung! – bestimmt das drei- oder vierfache bezahlt.

Um das Gejammere nun abzuschliessen, ich habe gestern die dritte – und hoffentlich letzte!!!! – Wurmkur begonnen. War in einer Apotheke mit einem erfahrenen Pharmazeuten. Chinese natürlich.

Fazit des Ganzen: Ich würde jedem, der hier in Malaysia zum Arzt oder Zahnarzt muss, ganz dringend empfehlen, sich einen chinesischen Arzt zu suchen.

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2 Kommentare zu „D-Day, oder Zahnarzt 2.0

  1. Verdammt, jetzt ist mir schummrig geworden. Muß mich nochmal hinlegen. Gar zu realistisch und drastisch, was Du da schreibst! Es gibt auch Mannsbilder, die zartbesaitet sind… Dein wladimirpeter

  2. Lieber Peter,
    schön mal wieder was von dir zu hören. Ich hoffe bei euch ist alles gut?
    Ich habe das schlimmste ja inzwischen wohl hinter mir, und es macht wieder Spass, das wirst du an den neueren Artikeln auch merken :-)

    ganz herzliche Grüße
    auch an Nadja
    eure a.

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