Frohe Ostern oder auch shit happens!

Eigentlich hätte der Titel „Blood, Sweat and Tears“ lauten sollen. Ich wollte nämlich sowieso schreiben, aber Ostern wäre unbemerkt von mir vergangen, hätte Johnny nicht gestern abend beiläufig erwähnt, dass Freitag eben Karfreitag gewesen wäre. Ostern steht nicht in meinem Kalender, weil es hier kein Feiertag ist. Im Gegensatz zu Weihnachten und Silvester. Damit kann man schliesslich Geschäft machen (zumindest auf dem Festland), mit Ostern weniger, zumal es hier keine Hasen gibt, haha.

Scheissfreitag. Wie man vielleicht schon zwischen den ersten Zeilen lesen kann, bin ich nicht gerade in bester Stimmung.  Auch das gibt es, auf einer wunderbaren tropischen Insel, die mal unter die 10 schönsten Inseln der Welt gewählt wurde, von wem auch immer. Gut, dass der oder die jenige mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht mehr mitbekommt,wie es heute hier aussieht. Aber genug jetzt der Andeutungen einer schlecht gelaunten Tiomanin.

In der Kurzfassung: Irgend ein Idiot hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eines meiner schwarzen Kätzchen überfahren  und ich musste es begraben. Und seitdem stinkt mir eigentlich so ziemlich alles, was hier nicht so paradiesisch ist, wie man vielleicht denkt. Was mich auch schon seit einer ganzen Weile etwas nervt, aber bisher noch ganz gut zu ertragen war, wird jetzt langsam richtig nervig. Das bedarf aber der Langfassung. Und da es eh Zeit wird für ein Update, werde ich die jetzt auch verfassen und später versuchen, das ganze irgendwie ins Internet zu bekommen, ins Blog oder wenigstens in eine email.

Die Europäer schlummern ja noch alle seelig, während bei mir schon der Nachmittag angebrochen ist. Osterferien also bei euch. Witzigerweise habe ich gestern noch an Ostereier gedacht, aber aus einem ganz anderen Grund und auf die Idee, dass tatsächlich Ostern sein könnte, wäre ich nicht gekommen. Ich hatte am Freitag 3 Eier im heissen Sand vom Lagerfeuer des Vorabends gekocht und im Gegensatz zu den nördlichen Gefilden halten sich hart gekochte Eier hier auch mit völlig heiler Schale keine 2 Tage.  Mangels Internet habe ich keine Idee, wie heiss es jetzt ist, aber es ist jedenfalls auch für mich ziemlich heiss geworden. Im Gegensatz zur Regenzeit. Hat jetzt wohl 35°. Und das bedeutet auch, dass man nun garnichts mehr lagern kann.

Die Milch hatte sich im „kühlen“ Wasser auf dem Badezimmerboden wenigstens 2 Tage gehalten, Eier auch, aber jetzt geht nichts mehr. Das letzte Ei war nach knapp 2 Tagen faul und hat gestunken. Gut, dass wir den Sumpf hinter dem Haus haben, da kann man so allerlei Sachen entsorgen, tote Fische, tote Reptilien, und eben faule Eier. Die Warane fressen den ganzen Scheiss weg.  Der Fan bzw. Ventilator läuft nun ständig, den hatte ich in den Monaten im „Winter“ praktisch nie an. Damit ich auch bei laufendem Fan mal Kaffe kochen oder den Rechner aufladen kann, habe ich mir letztens eine 3er Steckerleiste gekauft, in meiner Hütte ist nur eine einzige Steckdose. Funktioniert jedenfalls prima.

Donnerstag war eigentlich einer der perfekten Tage. Nachdem ich inzwischen einen regelrechten Garten auf und um meine Veranda herum angelegt habe, habe ich den Vormittag über gegartelt, was man hier bis zum Exzess betreiben könnte, ich habe keine Idee, wieviele verschiedene Arten es hier gibt, aber ein paar 1000 werden es sein. Ich habe so an die 25 verschiedene  Pflanzen in Töpfchen und Kokosnussschalen wachsen, darunter auch Chilies, Basilikum und Minze zum praktischen Gebrauch. Yee ist völlig scharf auf das Basilikum und die Minze, aber sie hat nicht unbedingt einen grünen Daumen. Nun, vielleicht erbt sie die Pflanzen ja bald.

Nach der „Gartenarbeit“ war ich schwimmen, dann habe ich meine Holzkohle in meiner Grillstelle vor der Hütte angezündet und Erdnüsse geröstet, das kommt richtig gut. Die Erdnüsse hatte ich zum ersten mal vor einiger Zeit im Dorf-Laden gekauft, das Pfund (ohne Schalen) für ungefähr einen Euro, und dachte, Mann, das ist aber billig, denn die kleinen Tütchen die sie hier verkaufen, mit den vielleicht 20 Gramm geösteten Erdnüssen kosten schon 50 Cent oder so, dann musste ich aber feststellen, dass die Dinger ungeniessbar waren, weil roh. Ich habe einen der einheimischen Nachbarn, Iwan, gefragt, ob er einen Wok in seiner Hütte hätte, und sie mir rösten könnte, und er hat gemeint, nein, leider nicht, aber ich könnte sie zur Bar bringen (er arbeitet ab und an in der einen der inzwischen vier Bars), da kann er es machen. Gesagt getan. Er hat sie mit etwas Sojasosse und thailändischer Chilie-Fish-Sauce gewürzt und das hat wunderbar geschmeckt. Wir haben 50/50 gemacht. Nachdem ich dann in die andere Hütte umgezogen war und die Feuerstelle gebaut hatte, hab ich mir selber einen kleinen Wok gekauft und seitdem röste ich die Nüssse auch selbst, inklusive der Würze, ich habe ne halbe Küchenausrüstung inzwischen.

Abends habe ich mir drei Dosen Bier bei Nase (eigentlich heisst er Nazri, aber er hat so eine hübsche Nase ;-)) der hier nebenan grad die Bar Nummer 4 aufgemacht hat, und den ich auch schon vom letzten Mal, als ich noch mit Andy hier war, kenne, geholt und habe am Strand an meinem schönen, trockenen Fleckchen beim Flüsschen, in der dort inzwischen auch fest installierten Feuerstelle ein kleines Lagerfeuer angemacht. Das habe ich inzwischen schon so oft getan, dass ich aufgehört habe zu zählen, aber es verliert nie an Faszination. Und ich bin da nach wie vor lieber alleine als mit anderen Leuten zusammen, was auch schon mal vorkommt, aber eher selten.

Feuerchen schüren, Sterne und Mond gucken, den Wellen lauschen, den nächtlichen Geräuschen aus dem Dschungel, das ist unglaublich friedlich und beruhigend, hat irgendwie was meditatives. Ein Bierchen schlürfen, ein paar Nelkenzigaretten rauchen… Ich fühle mich jedenfalls unglaublich gut dabei, sehr eins mit mir selbst und der Welt um mich herum.

Inzwischen mangelt es auch nicht mehr an trockenem Holz, die Regenzeit ist definitiv seit ein paar Wochen vorbei. Ich sitze da meistens wirklich wunschlos glücklich und denke mir, mein Gott, was ist das für ein unglaublich schönes Leben! In „Jugendsprech“ würde ich sagen, what a bloody fucking good life! Ja. Es stört sich auch kein Mensch dran, man kann hier wirklich alles machen, was man will, solange man sich anständig benimmt. Und das verlangt im Großen und Ganzen nicht mehr, als dass man freundlich ist, nicht rumschreit, und nicht nackt in der Gegend rumläuft (dazu später noch ein paar Kuriositäten).

Ich bin gegen 11 zurück zur Hütte und hab noch ein bisschen gelesen. Buch Nr. ich weiss nicht was, hatte die 30  bei der letzten Aktualisierung meiner Liste schon überschritten. Gerade ist es mal wieder Ken Follet, „Night over Water“, das Buch kannte ich im Prinzip schon, hatte es mal auf deutsch gelesen, aber im Originaltext kommt es viel besser! Wenn auch immer noch nicht wirklich malaysisch, englisch habe ich hier in dem halben Jahr besser gelernt als in meiner gesamten Schulzeit. Ich habe kein Problem mehr, englische Bücher zu lesen und kann mich fliessend unterhalten über Gott und die Welt, ausser jemand hat wirklich einen schlampigen Slang drauf. Ich habe von „echten“ Engländern ernst gemeinte Komplimente bekommen, und da bin ich richtig stolz drauf! Nur so am Rande bemerkt ;-)

An dem Abend waren auf jeden Fall noch alle vier Katzen da. Nach dem schönen Tag und Abend hatte ich sonderbarerweise einen ziemlich absurden und unangenehmen Traum, und bin schon mit so einem unguten Gefühl aufgewacht. Hab Kaffee gemacht, die „Blagen“ gefüttert, Nili, Nicky, der Kleine (der inzwischen ein ziemlich Grosser wird) natürlich, aber Dickie hat gefehlt und kam auch den ganzen Vormittag nicht wieder. Nili hat gerufen, sie macht so ein ganz spezielles Gemaunze wenn sie ihre Jungen ruft, aber leider ohne Erfolg. Ich war ernsthaft beunruhigt. Waran? Möglich, wenn auch nicht so sehr wahrscheinlich, die jagen eigentlich tagsüber, aber es war ja schon hell. Ich hatte ungewöhnlich lange geschlafen, normalerweise stehe ich bei Sonnenaufgang auf, das heisst hier konstant um 7.

Dazu muss ich auch noch eine vom Thema abschweifende Bemerkung machen. Manchmal habe ich das Gefühl, der Äquator könnte vielleicht inzwischen garnicht mehr da sein, wo wir ihn vermuten, ungefähr 150 km südlich von hier. Wie ist das eigentlich mit dem Mond? WIKIPEDIA wüsste es wohl. Ist es nicht so, dass in den nördlichen Breiten der Mond von rechts nach links zunimmt und unterhalb des Äquators ist es andersrum? Hier „wackelt“ das nämlich, um es mal so unbeholfen auszudrücken. Wenn der Mond ganz neu ist, liegt die Sichel auf dem Rücken und nach einer Weile stellt sie sich zwar schräg, aber sozusagen verkehrt rum, der zunehmende Mond geht nach rechts. Sonderbar. Die Gezeiten sind hier übrigens auch etwas erstaunlich. Sie ändern sich täglich und zwar ziemlich genau um eine Stunde. Und dann gibt es eine „große“ und eine „kleine“ Flut. Also es ist im Prinzip zweimal in 25 Stunden Ebbe und Flut, wobei das Hochwasser einmal höher und einmal niedriger ist. Sehr sonderbar. In der Praxis heisst das, dass ich hier in meiner Ecke des Strandes manchmal von Vormittag bis Nachmittag baden kann, wenn Flut ist, denn bei Ebbe kann man nur mit Schuhen ins Wasser, da dann die ganzen Steine und toten Korallenstöcke zum Vorschein kommen, und nach einer gewissen Zeit hat sich das Ganze so verschoben, dass den größten Teil des Tages Ebbe ist und der Strand nicht so doll. Erinnert mich an die Geschichte als ein Neuankömmlich am Strand stand und sich gewundert hat, wo denn das Wasser hin wäre… Ja wo ist es denn? Kommt das denn wieder? :-D

Tja, das sind so die Sachen, um die man sich als Insulaner Gedanken macht. Der Schiffsverkehr hängt natürlich auch davon ab. Die Ferry kann hier zwar bei allen Wasserständen anlanden, weil wir die Jetty haben, sprich einen Bootssteg, der weit genug ins Wasser hinausgeht. Aber drüben auf dem Festland, in Mersing, fahren die Schiffe eine ganze Strecke in die Flussmündung hinein und können nur bei Flut aus- oder einlaufen. Daher gibt es auch keine festen Fahrpläne. Die gibt es auch so nicht, denn – typisch Malaysia – machen die Leute im Prinzip, was sie wollen. Was irgendwie auch schön ist, das Leben kann hier sehr relaxt ablaufen – wenn man Zeit hat. Es kann also durchaus passieren, dass auch bei Flut kein Schiff ausläuft, nämlich dann, wenn ganz einfach zu wenige Passagiere da sind. Was dann aber auf das Wetter oder eben die Gezeiten geschoben wird. Die Schlawiner. Jasmin hat das ja sozusagen am eigenen Leib erfahren, als sie damals ausfliegen musste, weil keine Fähre ging. Und damals war es definitiv nicht das Wetter oder was auch immer für „höhere Mächte“.

Zurück zu den Katzen. Ich habe mir mal wieder ein „Orakel“ zurecht gelegt, wie ich das so oft mache. Das geht so: Wenn ich heute am Strand eine ganz besondere Muschel oder etwas dergleichen finde, dann wird alles gut, so in der Richtung. Das klappt leider nicht immer. Ich habe nicht nur eine sondern gleich mehrere tolle Sachen gefunden – Dickie blieb verschwunden. Ich habe mit Yee konferiert, sie hat gemeint, nun gut, die werden jetzt ja langsam selbstständig, vielleicht streunt er einfach nur rum, sightseeing, don’t worry, Angie. Ich habe mich beschäftigt, Bettwäsche gewechselt, bin überall rumgelaufen, hab meine Eier gekocht und gegessen, Gottseidank hatte ich sie schon gegessen, denn dann habe ich ihn gefunden. Er lag praktisch direkt neben dem Weg, kalt und steif, bereits voller Ameisen, keine offenen Wunden oder dergleichen, also gab es nur eine Möglichkeit: irgend ein Idiot hatte ihn nachts mit dem Moped um den Haufen gefahren. Mein Gott! Das ist wirklich hart zu nehmen. Das erste Mal, als der „dritte Zwilling“ vom Waran gefressen wurde, das kann man noch irgendwie als „natürlich“ akzeptieren, hier ist es nun mal verdammt gefährlich für die Kätzchen, aber dass es sein muss, dass die Deppen hier (entschuldigung) mit dem Moped auf dem Gehweg rumrasen…

Das macht mich eh schon die ganze Zeit wahnsinnig. Hier fahren – ohne Scheiss – die 5-jährigen Kinder Moped, sobald sie mit den Füssen auf den Boden kommen. Ohne Helm natürlich. Und wie Kinder eben sind, je schneller um so besser. Ohne Licht sowieso. Und diese Beiwagen-Gefährte brauchen den ganzen Weg. Also ist es hier ganz normal, dass man, wenn man läuft, was Locals in keinem Fall machen, wenn sie nicht dazu gezwungen sind, alle 5 Minuten vom Weg runter muss, um den Scheissmopeds Platz zu machen. Morgens um 7 werden die Blagen, alle einzeln natürlich, mit dem Mopeds zur Schule gefahren. Nett, ganz wie bei uns Westlern, schöne neue Welt! Ich war mal zufällig drüben in Tekek als gerade die Schule aus war und dachte im ersten Moment, hier wäre eine Demo im Gange oder so was, weil ungefähr 100 Leute auf Mopeds (mit laufendem Motor selbstverständlich) dort versammelt waren. Ich hab gefragt, was denn los wäre und bekam von einem einigermassen erstaunten Menschen die Antwort: Na, die Schule ist aus!

Das ganze Dörfchen Tekek ist momentan ein einziges Dreckloch, weil da gebaut wird wie verrückt. Eine der 10 schönsten Inseln, wie oben erwähnt… Ich muss doch mal ein paar kompromittierende Fotos machen. Die bauen die Schule aus, dass es wohl für die Bevölkerung von Kuala Lumpur reichen würde. Ist es trocken, staubt es, dass man kaum mehr Atem holen kann, regnet es, steht man bis zu den Knöcheln im Dreck, die Anwohner sind selbstverständlich begeistert (inzwischen kennt mich hier ja jeder und die Leute reden schon mit mir auch über solche Sachen), kein Mensch setzt sich dort mehr in ein Strassenrestaurant, aber man nimmt das eben hin. Ist halt so, die Regierung…

Der ehemals schöne Weg da hinüber, schön schattig unter Bäumen, wurde nicht etwa ausgebaut, sondern ausrangiert. Eine „Strandpromenade“ mitten im nichts, eine neue, zweite Strasse, praktisch neben der alten, breit, damit auch Autos darauf fahren können. Das örtliche „Taxiunternehmen“ hat sich da wohl ein Geschäft erhofft, aber nicht damit gerechnet dass Touris auch laufen. Eine Strasse für ganze 5 km, die den ganzen Ort versaut, eine Esplanade im Nichts, deren Errichtung hier in unserer Bucht mehr oder weniger die ganzen Korallen in Strandnähe gekillt hat – wunderbar!

Es gab, oder gibt noch, Pläne, die ganzen kleinen Dörfchen hier mit einer Ringstrasse zu verbinden. Um Himmels Willen! Der Flughafen soll ausgebaut werden, damit auch die Düsenjets landen können. Mir fehlen die Worte! Hier landen täglich zwei Propellermaschinen, eine aus Singapore (harhar, bekanntlich kann man ja dort am Flughafen nicht mal ein Ticket dafür bekommen) und eine aus KL. Die sind nie voll. Was wollen die mit großen Maschinen? Und dann müsste man die Rollbahn ins Meer rausbauen, weil hier 50 Meter vom Strand weg das Gebirge anfängt, es gibt hier definitiv keinen Platz, weder für eine Strasse noch für einen Flughafen von einiger Größe. Falls sowas tatsächlich gemacht werden sollte, gehen auch noch die restlichen Korallen hier drauf. Aber das macht ja auch nichts, dann kann man den Touris nämlich die teuren Bootstouren zu den umliegenden Miniinseln verkaufen, die noch intakte Unterwasserwelt haben. Gut fürs Geschäft. Oder auch nicht. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass  die Hiesigen manchmal nicht ganz checken, warum die Ausländer eigentlich hier her kommen. Unberührte Natur, tauchen, schnorcheln…

Ich habe inzwischen zweimal ein Interview bzw. Fragebögen zu dem Thema über mich ergehen lassen, aber das ist natürlich auch nicht hilfreich. Was soll man schon mit einer Frage anfangen, ob denn der „Transport“ hier für mich zufriedenstellend wäre? Ja oder nein. NEIN, definitiv. Ich will erstens garnirgens hin transportiert werden und wenn ich ja sage, ist das ja so ungefähr die Bestätigung, dass ich die Strasse toll finde, wenn ich nein sage, kann man das nur so auslegen, dass ich mehr davon will. Gut gemacht das Ganze. Kennen wir ja von früher. Umfragen müssen generell so angelegt sein, dass man genau die Antworten bekommt, die man haben will.

Überhaupt ist diese ganze Fragebogenaktion sowas von hirnrissig, denn es geht da auch um die ganze Chose mit der Wasserversorgung, der Kanalisation, der Abfallbeseitigung usw. Aber was bekommt denn der „Normal-Touri“, der hier nur ein paar Tage verweilt, im besten Fall auch noch im Berjaya-Hotel, von diesen Sachen mit? NICHTS. Ich kann da ein Lied davon singen, wie die Sache funktioniert. Der Abfall wird im Normalfall am Strand verschürt, inklusive all dem Plastikmüll und den ganzen „Junk-Food-to go“-Verpackungen, tausenden von Kunststoff-Wasserflaschen usw. Die Kanalisation führt in den meisten aller Anlagen auf dem kürzesten Weg direkt ins Meer. Hier übrigens nicht. Wir haben erfreulicherweise eine Art Natur-Kläranlage, Sickergruben, wie auch immer. Das Abwasser geht erst mal in Sitzgruben und von dort in den besagten Sumpf und wenn das verbleibende Wasser dann in den Fluss sickert ist es praktisch sauber.

Irgendwie schweife ich ständig ab, aber ich wollte ja schon lange einmal ein etwas deutlicheres Bild vom Leben hier zeichnen. Dickie, der süsse, knuddelige, war also tot, und ich habe erst mal den Teller und das Messer, das ich gerade zu Mawars zurückbringen wollte, als ich ihn entdeckte, eben dorthin gebracht und mir erst mal neue Zigaretten besorgt, die hatte ich wahrlich nötig. Mein Gott, Moni, hab ich an dich gedacht! Als damals dein Mäuschen verschwunden war… Das tut wirklich weh. Ich hab Joey, Cheffe vom Mawar Restaurant, sehr nahe am Heulen, was die Leute hier, sehr sensibel, sofort bemerken, wenn irgendwas nicht stimmt, auch wenn man sich noch so sehr um Haltung bemüht, erzählt, dass ich gerade  eine meiner Katzen tot gefunden hätte. Er hat ziemlich trocken bemerkt, dass ich „das“ dann wohl besser gleich begraben sollte, denn es würde sehr schnell anfangen zu stinken. Richtig. Erinnte mich daran, als er und ich zusammen einen ziemlich großen, vermeindlich toten Waran verbuddeln wollten, und eben dieser just in dem Moment, als ich ihn am Schwanz packen wollte, wieder zum Leben erwachte.

Ich bin, noch näher am Heulen, zu Yee und Kojek gegangen und habe darum gebeten, mir eine Schaufel zu leihen. Hab erklärt wofür. Hab mich langsam in Tränen aufgelöst. Wo soll ich ihn einbuddeln? Wo immer du willst, Angie, aber grab einigermassen tief, sonst holen ihn die Warane oder die Affen wieder raus. Ok., klar. Ich hab also ein Plätzchen ziemlich weit oben am Wald ausgemacht, hab die schöne Geschenk-Pap-Tasche aus Singapore genommen, den armseligen kleinen Körper da hinein gepackt und dann gebuddelt, gut einen Meter tief, und der Schweiss und die Tränen sind geflossen. Das ist der Vorteil des Klimas hier, wenn man heult, kann man immer noch behaupten, man würde nur schwitzen. Nur habe ich ziemlich geschluchzt, aber es war ja niemand in der Nähe. Hab noch einen sehr großen flachen Stein draufgepackt, und hab es mir verkniffen, irgendwelche Blumen drauf zu pflanzen oder sowas.

So. Und jetzt habe ich einen einsamen kleinen schwarzen Kater, der den ganzen Tag heult, weil er keinen mehr zum Spielen hat. Der „Kleine“ weisse Kater, der wie immer gehandcapt ist, fällt auch gerade aus, er hatte die ganze Zeit über, seit Nili ihn endlich als Familienmitglied akzeptiert hat, die Rolle des großen Bruders eingenommen und es war wirklich süß, wie die alle zusammen rumgebalgt haben. Aber leider hat es ihn eben auch schon wieder erwischt, ein Fuß ist wohl gebrochen, wieder eins der verdammten Mopeds. Er humpelt ganz arg und bewegt sich natürlich kaum. Nili ist frustriert und war ausserdem sowieso grad am „Entwöhnen“ der Jungen gewesen, nach 4 Monaten ist verständlicherweise wohl genug. Ein harter Job, ausgesaugt und ausgelaugt zu werden, und nebenbei gegen fiese erwachsene Kater zu kämpfen, die schon wieder ficken wollen, und  gegen Monster-Warane, die ständig hinter den Kleinen her sind. Diese Katze ist so unglaublich tapfer. Ich habe es mehrere Male erlebt, dass sie wirklich große Brocken angesprungen hat, also diese 2m Apparate, wo ich schon Bedenken habe, mit dem Stock oder mit Steinen dagegen anzugehen.

Wobei ich nichts gegen die Warane habe, im Grunde genommen sind es interessante Viecher und für Menschen auch absolut nicht gefährlich. Für die Katzen aber wohl, und so waren wir halt eine Zeit lang ziemlich am Verteidigen unseres Reviers. Ich weiss nicht, wie oft ich in den letzten vier Monaten Nachts aufgestanden bin, um aggressive Kater zu verscheuchen oder tagsüber ständig auf der Hut zu sein, ob nicht ein Waran auf der Lauer liegt. Und die kamen manchmal wirklich bis auf die Veranda. Nili hat da einen besonderen „Warnschrei“ drauf, und wenn ich das gehört habe, bin ich schon mal aus der Dusche gesprungen und hab mir einen Stein gegriffen um so ein Vieh zu verscheuchen. Einmal hab ich einen großen direkt auf den Rücken getroffen, es hat so ähnlich wie „Klonk“ gemacht, der Waran hat den Stein kaum registriert… Die sind echt hart, im wahrsten Sinn des Wortes.

Ja, und nun dachte ich gerade, die Babys wären aus dem Gröbsten raus, der „Kleine“ ist zwar auf einem Auge blind aber sonst ganz ok., und es würde vielleicht wieder eine etwas entspanntere Zeit eintreten. Aber im Moment bin ich nur noch angenervt. Der verbliebene Nicky will ständig betüdelt werden, der „Kleine“, der nun wirklich schon der Prügelknabe wie im Bilderbuch geworden ist, ist wieder hilflos. Ich habe es langsam ziemlich satt. So, nun ist es raus.

Was ich auch satt habe, oder im Wortsinne vielleicht ironischerweise genau das Gegenteil, ist das miserable Essen hier. Fett wird man hier nicht. Ist auch wieder positiv zu bewerten, auf der einen Seite. Ich habe eine sehr passable Figur inzwischen. Aber manchmal hätte ich auch gerne was richtiges zu Essen.

(Kurzer Zwischenruf: was mich immer wieder hält ist die Freundlichkeit der Menschen hier. Kojek kam gerade mal an, zum wiederholten Mal seit Vorgestern, um zu gucken, ob es mir gut geht. „Angie, you ok.?“)

Das Essen. Es gibt eben defintiv nichts „Gescheites“. Fried Rice, Fried Noodles, Fried Fish, Hamburger, Eier, und das ganze wieder von vorne. Kein Mensch hier ist offenbar in der Lage, einen simplen Pfannkuchen zu backen. Einzig bei „My Friend’s“ hatten sie welche, und die Leute sind nun leider aufs Festland gezogen. Keine Spur von Shrimps oder Prawns (in Mersing drüben hatten die Halbpfünder für grad mal nen Euro!), kein Salat, kein Joghurt,  kein Obst ausser Bananen, oder, ja doch, es gibt eine neue Mango-Season, letzte Woche hatte ich witzigerweise welche gerade vom Baum der Polizeistation geklaut, aber die sind meistens wurmig, wenn sie runterfallen, und bevor sie richtig reif werden, werden sie von den Scheiss-Affen gefressen.

Für eine gewisse Zeit kann man das schon aushalten, aber auf Dauer? Ich weiss nicht, ob wir (wir Touris) nicht selber daran schuld sind. Es gibt ja immer noch diese inzwischen wohl wirklich total veralteten Artikel in der „Bibel“, dem „Lonley Planet“, die da sagen, ess kein Obst, ess keinen Salat, Eis ist tödlich usw. Schwachsinn! In den meisten Orten in Malaysia kann man das Leitungswasser trinken, meine einzige Freude, wenn ich nach Tekek wandere ist, dass ich mir dort immer eine Kugel Eis gönne, und zwar ein frisches, also nicht die Stäbchen aus der Kühltruhe. Da sehe ich eher die Gefahr, sich mal den Magen zu verderben, denn wenn mal der Strom ausfällt, was durchaus öfters vorkommt, und halb geschmolzenes Zeug erneut eingefroren wird, ist das wohl eher ungesund. Aber wenn die Touris hier eben kein Obst essen und keinen Salat wollen, dann wird das auch nicht verkauft. Hier auf der Insel muss praktisch alles vom Festland importiert werden und die Restaurants kaufen natürlich nur das ein, was auch wirklich geht. Also: Null Salat, Null Obst, Null Joghurt, Null irgendwas, was man länger als 5 Minuten im Wok zubereiten müsste. Ich vermisse die indische Küche. Und zwar wie. Gekocht wird hier praktisch nicht. Alles mehr oder weniger Fastfood.

Ich träume manchmal von gutem Essen! Man kann auch nicht selber kochen, denn es gibt nichts zu kaufen. Die Läden sind voll mit Keksen und Kräckern, Chips und Snacks, Päckchensuppen und Instantnudeln, aber richtigen Salat gibts nur alle paar Wochen zu kaufen und dann ist er natürlich schweineteuer. Einmal hab ich ne Staude Stangensellerie ergattert, für 4 Euro oder so, aber ich war richtig happy!

Und wenn ich nun schon dabei bin, machen wir weiter mit der Nerv-Liste. Hochsaison. Das heisst, alle paar Tage neue Nachbarn, und die meisten Leute sind echt bescheuert. Natürlich gibt es Ausnahmen, und ich habe auch nach der Regenzeit noch wunderbare Leute hier kennengelernt. Diejenigen welchen, zumindest die deutschsprechenden, können hier auch mitlesen, denn mit den richtig Guten habe ich natürlich Mail-Adressen usw. ausgetauscht.

Inzwischen macht sich aber auch hier das „partyfolk“ breit, zu Hauf sehr junge, sehr bekloppte Leute, die hier nur ein paar Tage bleiben und (deshalb?) die Sau rauslassen. Ich werde definitif nie mehr solche zu meinem Lagerfeuer einladen. Das letzte mal war genug. Ich bin, wie immer, relativ früh gegangen, so gegen 11, und als ich am nächsten Tag bei meinem üblichen Morgenspaziergang den Platz inspiziert habe, hab ich einen Misthaufen von leeren Dosen und Flaschen vorgefunden, Kippen überall verstreut usw. und da hört es echt ein bisschen auf für mich. Wenn schon ein Feuer brennt, kann man da nicht wenigstens seine Kippen reinwerfen? Der ganze Platz war versaut und ich hab erst mal aufgeräumt und den Müll beseitigt, denn die Locals wissen ja, dass das „mein“ Platz ist und ich wollte wirklich nicht, dass die Leute denken, ich würde da so rumsauen. Danke an alle, die dabei waren.

Das ist aber inzwischen offenbar gang und gäbe: man hinterlässt seinen Müll und schert sich einen Dreck drum, wer ihn dann beseitigt. Man bezahlt ja schliesslich dafür, nicht? Und Preise von immer noch 5 Euro pro Nacht rechtfertigen das dann? Ich habe ja nun nicht gerade den großen Strand hier, weiter als 500m nach rechts oder links is nich, und es reichen ein paar Ferkel, um ihn zuzumüllen. Um der Gerechtigkeit willen: die Locals sind die schlimmeren. Für die Singaporians muss es wirklich geil sein, mal so richtig rumzumüllen, zu Hause dürfen sie ja nicht. Und die Festland-Malaysier, lieber Himmel! Letztens war wieder ein ganzer Clan hier, aus Johor Bahru, Verwandschaft vom Alten, also vom Besitzer. 15 Mann, bzw. Männer, Frauen und Kleinkinder, die haben sich aufgeführt, als hätten sie die ganze Insel gekauft. Vollgeschissene Windeln auf die Veranda geschmissen, den ganzen Fastfood-Verpackungsmüll überall verteilt, meine Pflanzen zertrampelt, die Katzen rumgescheucht, also da war ich echt nah dran, aber ich hab meinen Mund gehalten.

Ach, ich hör jetzt auf, das macht nur noch schlechtere Laune!
(P.S. wieder nix mit Internet, Kojek und Yee sind aufs Festland um Zeugs einzukaufen)

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Ein Kommentar zu „Frohe Ostern oder auch shit happens!

  1. …oh man, dann also doch nicht Tioman :(

    Das mit deinem Kätzchen tut mir echt leid. Es ist so traurig ein ins Herz geschlossenes Wesen zu verlieren.

    Die Rummüllerei geht mir auch gegen den Strich. Dabei stehen hier überall Schilder „keep Langkawi clean“.
    Danke für deine ehrlichen Berichte. Werde mich gleich über den nächsten stürzen. Hoffe, dass du den „Blues“ zwischenzeitlich überwunden hast.

    LG

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