Das Lächeln, die Zeit und der Verkehr

Gestern abend war ich an der Esplanade und habe eine Schüssel Penang Laksa gegessen. Es war sehr angenehm da zu sitzen, die Leute gucken natürlich immer noch, wenn da eine weisse Frau allein auftaucht, aber mir ist das Grinsen langsam auch ins Gesicht gewachsen, und so grinsen wir uns halt ständig alle gegenseitig an. Und manchmal fängt dann auch einer an zu quatschen. Ich habe, nach dem ich fertig war, die Schüssel zurückgebracht und gesagt, wie lecker ich die Suppe fand, da hat er sich gefreut, der Koch.

So ist das hier, alle lächeln, sind sehr, sehr freundlich und höflich und zuvorkommend miteinander, und alle sind glücklich dabei. Wehe, einer fängt doch einmal an, herumzukeifen, das entsetzt dann jeden, der es mitbekommt, und der, den es trifft, würde am liebsten  im Boden versinken. Es ist ja nicht so, dass Asiaten nie ausflippen würden. Als die Dame Im (chinesisches Faktotum und wohl auch Teilhaberin des Ganzen hier) heute morgen zum Beispiel rumgebrüllt hat, hat das ganze Haus samt aller Bewohner gezittert… Ich weiss nicht, worum es ging. Ist auch gut so.

Meistens bitten sich dann alle Beteiligten 100 mal um Verzeihung und bedauern zutiefst, sich so tierisch und unflätig aufgeführt zu haben. Gerade dass man nicht in Tränen ausbricht. Aber wenn dann wieder alles gut ist, ist auch wirklich kein unterschwelliger Groll mehr vorhanden. Im hat heute mittag gekocht, für sich und die Franzosen, und ich musste natürlich probieren, obwohl ich grad vom Essen kam. Es hat sehr gut geschmeckt und ich habe ihr das natürlich auch mitgeteilt. Mit strahlendem Lächeln.

Also gut, gestern abend saß ich noch ne Zeit lang am Meer, hab ne Kretek (Nelkenzigarette) geraucht und Leute geguckt. Ein großes Kreuzfahrtschiff kam grad in den Hafen eingelaufen, schön mit den ganzen Lichtern, ich hatte aber die Kamera nicht dabei. Dachte mir, ist eigentlich egal, ich kann ja so oft wiederkommen, wie ich möchte. Das ist ganz wunderbar, einfach unglaublich viel Zeit zu haben.

Das war gestern Mittag beim Computer-Shop schon so genial. Der Typ hat gefragt, ob ich etwas Zeit hätte, er müsste sich noch ne halbe Stunde um was anderes kümmern, und ich hab lächelnd gesagt „no problem, I have all time of the world…“, bin noch ein bisschen im Stockwerk der Mall rumgelaufen, hab in anderen Computerläden rumgeschnüffelt, und das fühlt sich verdammt gut an: alle Zeit der Welt zu haben! Und dann wiederum die Zeit, die mir dort gewidmet wurde! Für 10 Riggit!

Ich bin von der Esplanade aus praktisch mit dem Schiff mitgelaufen bis zur Jetty. Da stand der Riesen-Cruiser „Pisces“ noch, hat aber gerade Dampf gemacht und war fertig zum Auslaufen. Ich habe zugeguckt, wie der Riesenpott gewendet hat und bin dann weiter Richtung Little India geschlendert. Es herrscht einfach ein unglaubliches Verkehrschaos hier, der völlige Irrsinn! Man traut sich kaum über die Strasse und muss sich ständig nach rechts und links und vorn und hinten und wohl auch oben und unten absichern, weil man nie weiss, was gerade woher angeschossen kommt. Busfahrer scheinen es darauf anzulegen, dass Leute sich fast ins Gebüsch oder die Abwassergräben werfen müssen. Dass Motorräder auf dem Gehsteig fahren oder in die verkehrte Richtung ist nicht ungewöhnlich, ebenso Autos ohne Licht oder Parken mitten auf der Strasse in zweiter Reihe. Wobei die Strassen, mit wenigen Ausnahmen so schmal sind in Georgetown, dass zwei entgegekommende Fahrzeuge schon zeimliche Probleme haben, aneinander vorbei zu kommen. Und dazwischen wimmeln noch Mopeds, Rikschas, Fahrräder, Fussgänger, Hunde und Katzen rum. Was es hier definitiv nicht gibt, sind Kinderwägen. Das wird seinen Grund haben.

Ich werde mich in Penang nie ausserhalb meiner Behausung besäuseln, denn ich würde mich niemals angetrunken auf die Strasse wagen, das wäre lebensgefährlich! Nun gut, nachdem ich Little India wohlbehalten verlassen hatte, habe ich bei der Inder-Spelunke meine obligatorischen zwei Dosen Bier gekauft – der Wirt grinst mich inzwischen auch an: aah, du schon wieder! – und außen saß Trevor mit ein paar Kumpels. Die Insider wissen eben, wo der billige Stoff zu haben ist.

Zu Hause hab ich mich auf die Veranda gesetzt, hat nicht lang gedauert, da kam der zweite Dave dazu. Der erste Dave – der Tasmanier – kam mit dem Auto an und wollte mich zum Abendessen mitnehmen, aber ich hatte ja schon, „sudah makan“ heisst das auf malaysisch, und 1/2 9 ist mir wirklich zu spät!

Dave II also,  der hier auch länger wohnt, ist ein gebürtiger Penangianer, und wir haben uns über Computer unterhalten. Er arbeitet irgendwas Programiermäßiges bei ner großen Firma, war sogar schon mal in Deutschland. Irgendwie sind wir aufs Bloggen gekommen und er hat gemeint, ich müsste ihm unbedingt das WordPress zeigen, also haben wir für heute nach dem Frühstück ne Session ausgemacht. Ich hab mich dann zu meiner Schande verspätet, weil ich fast bis um 10 gefrühstückt hatte und dann noch im Zimmer rumgemacht habe, Bettwäsche wechseln und so. Aber egal. Er war ja gestern schon so angetan von mir, was ich alles kann und tue, dass ich regelrecht glücklich ins Bett gegangen bin. Heute hat er sich hundert-tausendmal bedankt, was ich ihm da Tolles gezeigt hätte, er hat mir vor lauter Entzücken die Hand geküsst, ich wär vor lauter Entzücken fast vom Stuhl gefallen!

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Ein Kommentar zu „Das Lächeln, die Zeit und der Verkehr

  1. Hi Du,

    alle Zeit der Welt zu haben ist paradiesisch. Das passiert Normalmenschen nur im Urlaub. … und auch nur, wenn man noch mindestens eine Woche hat.
    Ich verfolge Deine Wege – Internet machts möglich und Stichworte lieferst Du genug.

    Liebe Grüsse und schönen Abend

    HausE

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